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Gedanken zur demographischen Entwicklung und Familienpolitik

Die demographische Entwicklung ist Deutschlands größtes familien- und sozialpolitisches Problem. Die inzwischen weniger als 1,3 Sprösslinge pro Frau (zur Bestandserhaltung nötig wären 2,1) geben Anlass zu düsteren Szenarien – für die Renten- und Sozialkassen, aber mehr noch für das Zusammenleben in einem Gemeinwesen, das nicht an seine Zukunft glaubt.

Im siebten Familienbericht, einem 500-Seiten-Werk, das alle 5 Jahre von der Bundesregierung in Auftrag gegeben wird und eines der wichtigsten Gutachten der deutschen Politikberater ist, heißt es: „Seit den siebziger Jahren hat die BRD die Chance verpasst, eine beide Geschlechter berücksichtigende Familienpolitik zu stärken.“

 

Viel zu häufig haben Politiker „im Sinne des Erhalts der Versorgerehe gehandelt“.

 Mit den USA teilt Deutschland das Problem der sozial gespaltenen Fortpflanzung. Das Bertram Gutachten nennt 20% kinderlose Hauptschulabsolventinnen, aber knapp 40% kinderlose Akademikerinnen (der Mikrozensus zählt bei den bis 35jährigen Akademikerinnen gar 62% Kinderlose).

Neben nicht ausreichend vorhandenen Betreuungsmöglichkeiten für kleine Kinder sind es vor allem die zu langen Ausbildungszeiten in der BRD, die einer frühen Elternschaft in ökonomischer Selbstständigkeit entgegenstehen. Viele Deutsche haben erst mit rund 30 Jahren ihre Ausbildung abgeschlossen und den ersten sicheren Job angetreten. Die Bedeutung der finanziellen Unabhängigkeit von den Eltern ist für die Paarbildung und gemeinsame Zukunftsplanung aber immens.

Was also ist zu tun?

Familienfreundlichkeit ist ein Standortfaktor, der nicht nur die Lebensqualität, sondern auch die Wertschöpfungs- und Wirtschaftskraft von Kommunen erhöht.

 

1. Ausbau der Kinderbetreuung

Seit Januar 2005 ist es durch das „Gesetz zum Ausbau der Tagesbetreuung“ eine Pflichtaufgabe der Kommunen, die Kinderbetreuung für unter Dreijährige voranzubringen. Erstmals werden Standards für die Qualität der Betreuung in Einrichtungen und in der Tagespflege (als familiennahe Form) vorgegeben. Außerdem sollen Kleinkinder durch frühe Förderung bessere Bildungschancen bekommen.

 

2. Bündelung von Geldleistungen

Familienförderung ist in Deutschland zu unübersichtlich organisiert. Besser als ein uneinheitliches Erziehungsgeld wäre im ersten Lebensjahr ein Elterngeld als Einkommensersatz, wie es sich in Skandinavien bewährt hat. Es ersetzt ca. 2/3 des vorherigen Einkommens (mit Höchstgrenze) und kommt dem Elternteil zu Gute, der für die Kindererziehung seine Erwerbstätigkeit unterbricht. Des Weiteren müssen Eltern in den Betreuungskosten steuerlich stärker entlastet werden. Der Anspruch auf eine dreijährige Elternzeit mit Teilzeitanspruch und Jobgarantie sollte erhalten bleiben.

 

3. Kürzere Ausbildungszeiten und familienfreundliche Arbeitswelt

 

4. Respektierung der Vielfalt weiblicher Lebensentwürfe

Frauen sollen selbst entscheiden können, ob und wie lange sie nach der Geburt eines Kindes zu Hause bleiben wollen (ohne zu verarmen). Leider ist in vielen sog. klassischen Frauenberufen nach der Berufsausbildung kaum Veränderung möglich. Es fehlen Aufstiegswege innerhalb und Umstiegswege in angrenzende Berufe. Wieso kann eine Erzieherin nach entsprechenden Weiterbildungen nicht als Altenpflegerin oder Grundschullehrerin arbeiten?

Unsere Zukunftsenergie heißt Bildung

Fazit an die Frauen: nur Mut! Mutterschaft ist ein Abenteuer, das glücklich macht.

Fazit an die Männer: fragt die Frauen!

 

Dr. Birgit Eyselen, Stadträtin

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